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Älteste Freiwillige Feuerwehr des Landes Brandenburg
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Historie

Entwicklung zur Musterwehr

Die Wriezener Wehr entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Musterwehr. 1925, zum 70jährigen Bestehen der Wehr, hatte sie eine Stärke von insgesamt 52 Mitgliedern.

Zu diesem Zeitpunkt gab es im damaligen Kreis Oberbarnim bereits 56 Freiwillige Feuerwehren in den Städten und Orten.

Am 19. Januar 1925 beschloß der Kreistag, zwei Motorlöschzüge für die Städte Biesenthal und Wriezen anzuschaffen.

In den Jahren 1928/29 erhielt dann auch die Stadt Bad Freienwalde einen Automobillöschzug und eine Kleinmotorspritze.

Bemerkenswert ist aus diesen Jahren, daß für den Kreis Oberbarnim noch eine allgemeine Löschpflicht für Bürger vom 16. bis zum 60. Lebenjahr bestand.

Anläßlich einer Kreisbrandmeistertagung im Jahre 1926, die im Dezember in Wriezen stattfand, wurden durch die damalige Kreisverwaltung bewährte Feuerwehrmänner mit dem Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste für das Feuerlöschwesen, das vom damaligen Preußischen Staatsministerium gestiftet wurde, ausgezeichnet.

Aus Wriezen erhielten diese Auszeichnung:

Kreisbrandmeister Friedrich Tesch
Steiger Wilhelm Horn
Brandmeister Ludwig Kind
Steiger Hermann Lässig
Oberhornist Max Muntz
Brandmeister August Rehse
Spritzenmann Emil Tesch

Diese Kameraden erhielten das Ehrenzeichen. weil sie 20 und mehr Jahre hindurch "treu ihrer Wehr gedient hatten", wie im damaligen Heimatkalender nachzulesen ist.

"So lange es solche Männer ernster Pflichterfüllung gibt, ist uns nicht bange um ein gut Wachsen, Blühen und Gedeihen von Oberbarnimer Feuerwehren", vermeldete der Chronist.

Trotz dieser positiven Entwicklung sei an dieser Stelle von einem verheerenden Brand berichtet, der sich am 8. Juli 1929 ereignete. Um 12.45 Uhr erschallten an diesem Tage die Alarmsignale der Wriezener Feuerwehr.

Eine riesige Feuerlohe stand über den Mühlenwerken "Hafenmühle" AG am Kanal.

Der motorisierte Kreislöschzug Nr. 1 Wriezen erreichte wenige Minuten nach der Alarmierung die Brandstelle und brachte die Lafettenmotorspritze an dem unmittelbar an der Brandstelle vorbeifließenden Kanal in Stellung.

Kurze Zeit später trafen die Automobillöschzüge aus Bad Freienwalde und Biesenthal zur Unterstützung ein.

Obgleich sofort Wasser gegeben werden konnte, breitete sich der Brand weiter aus und hatte um 13.30 Uhr alle vier Stockwerke des Betriebes erfaßt.

Insgesamt nahmen an diesem Einsatz 14 Freiwillige Feuerwehren teil, die mit einer enormen Hitzeentwicklung und ständigen Mehlstaubexplosionen und Stichflammen zu kämpfen hatten.

28 Feuerwehrmänner mußten durch die Freiwillige Sanitätskolonne Wriezen medizinisch versorgt werden.

Gegen 16.00 Uhr war das Mühlenwerk bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Der Schaden betrug ca. 2 Millionen Reichsmark.

Neben dem Gebäude und den Maschinen verbrannten:

4100 Sack mit Roggenkleie, 90t Hirse, 600 Sack Mehl, 472 Sack Weizengrieskleie, 150t Roggen, 10t Weizen,

Die Feuerwehren büßten 4 B- und einen C-Druckschlauch ein.

Wer waren nun die Männer, die sich selbstlos an die Spitze der Freiwilligen Feuerwehr in Wriezen stellten? Die durch ihren persönlichen Einsatz dazu beitrugen, die zahlenmäßige Stärkung der Wehr zu erreichen und Vorbildliches in der Vorbeugung und Brandbekämpfung leisteten?

1865-1867    Seilermeister Busching
                        Maurermeister Neubart
1867-1881    Korbmachermeister Moll
1881-1911    Kaufmann Bölcke
1911-1917    Buchhalter Wilker
1917-1934    Oberbrandmeister Tesch


Der Oberbrandmeister Tesch machte sich um die Freiwillige Feuerwehr Wriezen und den Kreisfeuerwehrverband Oberbarnim verdient.

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes und Führer der FFW Wriezen trat seinen Dienst am 12. März 1894 an.

Er war Inhaber der höchsten Feuerwehrauszeichnungen, des Staatlichen Ehrenzeichens und des St. Floriansordens 1. Klasse vom Deutschen Reichsfeuerwehrverband.

Während seiner Tätigkeit hat er an der Bekämpfung von über 3000 Bränden mitgewirkt.

Friedrich Tesch leitete den am 2. Oktober 1921 in Wriezen begründeten damaligen Kreisfeuerwehrverband Oberbarrnin. in dem zunächst 12 Freiwillige Feuerwehren vereinigt waren.

Im Jahre 1928 gehörten dem Kreisverband bereits 56 FFW mit einer Gesamtstärke von 1338 Kameraden an.

1933 existierten 111 Einheiten, die sich in 30 Amtsbezirkswehren, 5 Werkfeuerwehren, 25 Normal-Löschzügen und 86 Halblöschzügen gliederten.

Zu ihrer Ausrüstung gehörten zu diesem Zeitpunkt:

14 Großmotorspritzen, 45 Kleinmotorspritzen. 82 Handdruckspritzen, 19 mechanische Leitern und 34.200 m Druckschlauch.

Weiterhin wurden 60 Feuerlöschbrunnen, 31 Feuerlöschteiche und 9 Zisternen zur Verbesserung der Löschwasserversorgung in der Zeit von 1920 bis 1933 errichtet.

Auf Initiative des Kameraden Tesch und der Kameraden Kron und Heinschke wurden in der Umgebung von Wriezen, sowohl im Oderbruch als auch in den Höhendörfern Freiwillige Feuerwehren gegründet und ausgebildet.

Auf Grund seiner großen Verdienste um das Feuerlöschwesen wurde Oberbrandmeister Tesch am 12. März 1929, anläßlich seiner 35jährigen Zugehörigkeit zur FFW Wriezen zum Kreisbranddirektor ernannt.

Am 10. Oktober 1934 wurde Friedrich Tesch als Kreisbranddirektor feierlich verabschiedet.

Eine lückenlose Aufstellung aller ehemaligen Wehrführer der FFW Wriezen ist nicht überliefert.

Vermutlich übernahm Erich Knäringer etwa ab 1935 die Führung der Wriezener Feuerwehr und behielt dieses Amt bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Er schied durch einen Wohnortwechsel im Jahre 1944 oder 1945 aus.

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